Die heutige Stadtmusik kann auf eine bewegte Entstehungsgeschichte zurückblicken. Vor 170 Jahren, im Sturmjahr 1848, herrschte Unruhe im ganzen Land. Die Bevölkerung des lombardisch-venetianischen Königreiches hatte sich erhoben. Um die deutschen Grenzmarken zu schützen, bildeten sich in Tirol und Vorarlberg freiwillige Schützenkompagnien.


Auch in Bludenz rüstete Johann Gassner, ein Teilhaber der Firma Getzner, Mutter & Cie aus eigenen Mitteln eine Schützenkompagnie aus und zog mit ihr auf das Stilfser Joch. Zur besonderen Motivation seiner Schützen nahm er eine Musikkapelle mit zu diesem Einsatz. Dieses Ereignis gilt bis heute als Geburtsstunde der Bludenzer Musik.


Bereits 20 Jahre früher existierte in Bludenz eine Feldmusik, die allerdings nur bei kirchlichen Anlässen musiziert haben dürfte. Deren Mitglieder sind aus einem Ansuchen an den Stadtmagistrat namentlich bekannt. Ob einige von ihnen von Johann Gassner in seine Kapelle übernommen wurden, ist nicht bekannt, kann aber angenommen werden.


Gründung der „Bludenzer Harmoniemusik“


Obwohl die Bludenzer Standschützenkapelle in der Folge bei zahlreichen Anlässen an die Öffentlichkeit trat, fehlte jeder vereinsmäßige Charakter. Erst 36 Jahre später kam es auf Initiative von Hermann Gassner, einem Sohn von Johann Gassner, im Dezember 1884 zur Gründung des Vereines „Bludenzer Harmoniemusik“. Diesen Namen trug die Bludenzer Musik mit Ausnahme der Zeit zwischen 1938 bis 1945, als der Verein in „Standschützenkapelle Bludenz“ umbenannt wurde, bis nach dem Zweiten Weltkrieg.


Umbenennung in „Stadtmusik Bludenz“


Im Jahre 1955 verlieh die Stadtgemeinde Bludenz der Kapelle in Würdigung der großen Verdienste um ihre Heimatgemeinde den neuen Namen „Stadtmusik Bludenz“.


Die Chronik der Bludenzer Musik berichtet von stolzen Erfolgen, aber auch manchen Krisen. Hervorragende Kapellmeister, tüchtige Vorstände und der idealistische Einsatz der Mitglieder für die Gemeinschaft haben mit bemerkenswerten Leistungen erreicht, dass die Stadtmusik heute weit über die Grenzen des Landes hinaus hoch geschätzt wird. Krisenzeiten wurden durch den tatkräftigen Einsatz von Persönlichkeiten überwunden, die sich durch

Schwierigkeiten und unruhige Zeiten sich nicht den Mut nehmen ließen und den Verein immer wieder zu neuer Größe führten.


Mag. Willi Burtscher